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31.08.2017

Bundeskabinett verabschiedet Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept

Mit ihrem Fachkräftekonzept von 2011 unterstützt die Bundesregierung Unternehmen dabei, ihren Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern zu decken. Mehr Frauen sind erwerbstätig, mehr junge Mütter steigen früher wieder in den Beruf ein. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Kabinett nun beschlossen hat.


2011 hatte sich die Bundesregierung mit dem Fachkräftekonzept das Ziel gesetzt, inländische und ergänzend ausländische Potenziale besser auszuschöpfen. Das Erwerbsvolumen zu steigern, Bildung und Weiterbildung zu verbessern und gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, sind Schwerpunkte des Konzepts. Im Fokus stehen vor allem ältere Erwerbstätige, Frauen, Langzeitarbeitslose und Zuwanderer.
Regelmäßig hat die Bundesregierung über die Fortschritte berichtet und das Konzept weiterentwickelt. Mit dem im Kabinett beschlossenen vierten Fortschrittsbericht 2017 wird die bisherige Berichterstattung abgeschlossen.

Mehr Menschen im Beruf
Die Zahl der Erwerbstätigen steigt kontinuierlich: 2016 waren es 43,6 Millionen Menschen. Das sind rund zwei Millionen mehr als im Jahr 2011. Die Erwerbstätigenquote stieg auf 78,7 Prozent – fast zwei Prozent über der nationalen Zielmarke der EU-2020-Strategie.
Mit 61 Prozent sind deutlich mehr Menschen sozialversicherungspflichtig angestellt als vor sechs Jahren. Gleichzeitig sank die Arbeitslosigkeit um rund zehn Prozent. Stetig verbessert hat sich die Integration von Langzeitarbeitslosen: 2016 waren nicht einmal halb so viele Menschen langzeitarbeitslos wie noch im Jahr 2008.

Erwerbsbeteiligung Älterer gestiegen
Der demografische Wandel ist zunehmend spürbar: Es gibt heute deutlich mehr ältere Menschen als vor 20 Jahren. Immer weniger junge Menschen im erwerbsfähigen Alter kommen nach. Daher war ein Ziel des Fachkräftekonzepts, die Erwerbsbeteiligung Älterer auf 60 Prozent zu erhöhen. 2016 arbeiteten beispielsweise fast 69 Prozent der 55- bis 64-Jährigen.
Bisher hat sich der Geburtenrückgang bisher nicht negativ auf das Arbeitskräfteangebot ausgewirkt. Denn immer mehr Frauen und ältere Menschen sind erwerbstätig.

Mehr Frauen mit kleinen Kindern sind berufstätig
Die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern, ist ein zentrales Element des Fachkräftekonzepts. 2016 waren 74,5 Prozent der Frauen zwischen 20 und 64 Jahren erwerbstätig. Der Zielwert von 73 Prozent wurde damit klar übertroffen. Ihre Erwerbsquote entwickelt sich weiterhin positiv.

Besonders deutlich zugenommen hat die Erwerbstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern. 43 Prozent der Mütter mit Kindern unter zwei Jahren waren im Jahr 2015 erwerbstätig. Erhöht hat sich auch ihre Wochenarbeitszeit. Bessere Kinderbetreuungsangebote machen dies möglich. Seit 2008 beteiligt sich der Bund an den Kosten für deren Ausbau. Entscheidend ist aber auch, dass immer mehr Väter Familienaufgaben übernehmen.

Kein flächendeckender Fachkräftemangel
Derzeit liegt noch kein flächendeckender Fachkräftemangel vor. Gleichwohl gibt es Branchen und Regionen, in denen die Personalsuche schwierig ist. So fehlen in den Gesundheits- und Pflegeberufen sowie in den technischen Berufen akademische und nichtakademische Fachkräfte.

Bessere Aus- und Weiterbildung

Fortschritte gibt es auch bei der Bildung. Besonders markant ist der gestiegene Anteil der Studienanfänger. Er liegt seit 2014 bei stabilen 55 Prozent der Hochschulzugangsberechtigten eines Geburtsjahrgangs. Das ist eine wichtige Grundlage für die zukünftige Fachkräftesicherung. Mittelfristig wird auch der Anteil der 30- bis 35-Jährigen steigen, die einen Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss erreichen.
Verbessert hat sich auch die Weiterbildungsbeteiligung: Seit 2014 nimmt die Hälfte der Erwerbsfähigen an Fortbildungen teil. Besonders erfreulich: Von den über 55-Jährigen investieren 44 Prozent in ihre Qualifikation.

Qualifizierte Zuwanderung trägt zu Fachkräftesicherung bei
Um die Fachkräftebasis zu sichern, gilt es, alle inländischen Potenziale auszuschöpfen. Daneben ist qualifizierte Zuwanderung ein wichtiger Aspekt. Der Gewinn an Zuwanderern erhöhte sich seit 2011 stetig und lag 2014 bei über 500.000 Menschen.

Aufgrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU sind kontinuierlich immer mehr Fachkräfte aus anderen EU-Staaten zugewandert. Viele sind höher qualifiziert. 2015 kamen 341.000 mehr EU-Bürger nach Deutschland als Deutsche ins europäische Ausland abwanderten. Außerdem kamen 30 Prozent mehr Hochqualifizierte aus Drittstaaten seit 2013 mit der "Blauen Karte EU" nach Deutschland.

Flüchtlinge integrieren lohnt

Der Zuwanderungsgewinn stieg 2015 aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen auf mehr als 1,1 Millionen Menschen. Die geflüchteten Menschen werden jedoch erst auf längere Sicht zur Sicherung des Fachkräftebedarfs beitragen können. Viele haben noch nicht die notwendigen Qualifikationen und Kenntnisse für den deutschen Arbeitsmarkt. Es lohnt sich, in ihre Ausbildung und Qualifizierung zu investieren.

Der Bericht nimmt auch die künftige Entwicklung in den Blick. Die Herausforderungen mit Blick auf die Digitalisierung und die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge erfordern ein neues Fachkräftekonzept.

Quelle: www.bundesregierung.de



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